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MDK: Kleine Tricks mit großer Wirkung

Selbst das beste Auto verkauft sich nicht von allein. Jeder Autohändler weiß: Verkaufspsychologie ist wichtiger als Pferdestärken, Airbag und Faltdach zusammen. Ein guter Verkäufer stellt sich deshalb individuell auf seine Kunden ein.

Diese Weißheiten lassen sich auch auf die Altenpflege übertragen. Selbst die beste Pflegedokumentation ist kein Erfolgsgarant, wenn die Chemie zwischen Gutachter und Pflegekraft nicht stimmt. Vielen PDLs mag der Gedanke, dem MDK Honig um den Bart zu schmieren, nicht behagen. Sicher ist aber: Im Zweifel sitzt der MDK am längeren Hebel.

Unsere Tipps:

  • Benennen Sie feste Ansprechpartner für den MDK. Diese sollten nicht nur fachlich versiert sein, sondern auch über zwischenmenschliche Qualitäten verfügen. Oder anders ausgedrückt: Viele Pflegekräfte sind zwar sehr kompetent, haben im Umgang mit den Prüfern aber den Charme eines Holzhammers.
     
  • Merken Sie sich den Namen jedes Prüfers, der Ihre Einrichtung besucht hat. Begrüßen Sie ihn persönlich. Ein "Schön Sie zu sehen, Herr Maier" bringt Pluspunkte; ein "Ich habe jetzt leider Ihren Namen vergessen" sicher nicht. Wenn Sie sich Namen nicht gut merken können, erstellen Sie eine Kartei. Z.B. "Werner Maier, groß, schlank, graue Haare, Brille"
     
  • Sorgen Sie für eine angemessene Bewirtung. Orientieren Sie sich dabei an dem, was der Prüfer beim letzten Besuch bevorzugt bzw. stehen gelassen hatte. Beispiel: Orangensaft statt Kaffee und Schokolinsen statt Kekse.
     
  • Sorgen Sie dafür, dass dem MDK-Prüfer auf Wunsch ein stiller Raum etwa für das Aktenstudium zur Verfügung gestellt wird. Dabei ist das Büro der PDL sicher schmeichelhafter als der Abstellraum des Hausmeisters.
     
  • Erstellen Sie Kopien aller relevanten Unterlagen und geben Sie diese dem Prüfer mit. Viele Gutachter schreiben Ihren Bericht erst am nächsten Tag und haben dann schon die Hälfte der  Fakten vergessen.
     
  • Nicht selten verwenden Prüfer bei der Einstufung Fragen und Tests, die keine objektiven Ergebnisse bringen. Wenn Sie von einer vorherigen Begutachtung wissen, dass es der Prüfer damit nicht sehr genau nimmt, müssen Sie sich entsprechend vorbereiten. Stellen Sie schon einige Tage zuvor für mögliche "Knackpunkte" die passenden Argumente zusammen.

    Die Kunst besteht darin, die wahren Defizite des Bewohners aufzuzeigen, ohne in eine unnötige Konfliktsituation mit dem Prüfer zu geraten. Diskutieren Sie ggf. ruhig und sachlich mit dem Prüfer. Streit oder Feilschereien bringen nichts. Drei "klassische" Beispiele:

    So reichen bei vielen Begutachtungen schon ein paar Schritte durch das Zimmer für die Feststellung, dass der Bewohner "bedingt selbständig gehen" kann. In diesem Fall sollten Sie anregen, dass die zurück zu legende Strecke ein wenig länger ist.

    Oder: Viele Bewohner antworten auf die Frage nach ihrem Alter mit dem Geburtsdatum. Und schon ist der Senior "Zur Person orientiert". In diesem Fall müssen Sie eingreifen: Fragen Sie nach dem tatsächlichen Alter. An dieser Frage wird ein Demenz-Patient zumeist scheitern.

    Ebenso schnell ist ein Senior "örtlich orientiert". Hier fordert der Prüfer den Bewohner auf, sich zur Nasszelle im Zimmer zu begeben, was dieser natürlich problemlos schafft. Pech nur, wenn der gleiche Bewohner zwei Tage zuvor sein Zimmer nicht fand und  orientierungslos durch die Gänge irrte. Also: Fordern Sie den Bewohner auf, in den Speisesaal zu gehen! Mal sehen, wohin er sie führen wird.

    Noch ein Beispiel: Viele Prüfer lassen den Senior die Arme hinter dem Kopf verschränken und schließen daraus, dass der Bewohner sich etwa selbst kämmen, waschen und anziehen kann. Auch hier sollten Sie nachhaken. Schlagen Sie vor, dass der Senior seine angeblichen Fähigkeiten vorführt.
     
  • Wenn es mit der Einstufung nicht geklappt hat, sollten Sie sich einen Widerspruch vielleicht besser verkneifen. Natürlich ist es bei eklatanten Beurteilungsfehlern möglich, die höhere Pflegestufe durchzusetzen. Doch wem nützt das? Sie haben Stress bei der Erstellung und Begründung des Widerspruchs, die Sache dauert Wochen und außerdem fallen Ihre Sympathiewerte bei dem Prüfer und seinen Kollegen.

    Unser Tipp: Haken Sie die Sache besser ab und warten Sie ein paar Monate. Beantragen Sie dann eine Neueinstufung. Die dafür notwendigen Fakten hinsichtlich der Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Bewohners können Sie bestimmt mit etwas besserer Vorbereitung darstellen.

 



Annika Klugkist, Albert-Einstein-Ring 4, 29331 Lachendorf, Tel. 0160 16 17 17 8, Fax (032) 12 11 97 76 0, E-Mail: info@pqsg.de, Annika Klugkist ist ein Einzelunternehmen.